
Urlaub kostet
Es ist Sommer und der Urlaub steht für uns vor der Tür oder liegt bereits hinter uns.
Ich habe dieses Jahr etwas mehr Geld im Urlaub ausgegeben: Auf dem Heimweg hatten wir nämlich ein Problem mit unserem Auto und mussten im Ausland in eine Werkstatt. Nach 3 Stunden konnten wir zum Glück sicher weiterfahren.
Die Rechnung
Auf der Rechnung wurden diese 3 Stunden als Arbeitszeit angesetzt. Im oder am Auto war der Mechaniker insgesamt vielleicht 45 min. Dazwischen liefen Programme, die den Fehler beheben sollten, wurden andere Kunden bedient, wartete der Wagen darauf weiter behandelt zu werden.
Zwischen 45 min und 3 Stunden liegt eine Menge Zeit, die man quasi umsonst bezahlt. Wirklich? Warum? Ist das fair?
Was ist fair?
Ja ist es – meiner Meinung nach, denn hätte der Werkstattbesitzer seinen Mechaniker nach 45 min nach Hause geschickt, wäre unser Auto nicht fertig geworden oder er hätte die Wartezeiten selbst bezahlen müssen.
Jetzt kann man sagen, es wurden ja auch andere Kunden bedient – in der Zeit. Ja, aber – kann ich mit Sicherheit sagen, dass keine Überstunden geleistet wurden? Die Nothilfe war ja nicht eingeplant. Und so hätte man langjährige Kunden vor den Kopf stoßen müssen, um uns zu helfen.
Wer hätte dieses Risiko getragen?
Wir als Notfallkunden sicher nicht. War die Reparatur nun teuer? Ja, es hat uns viel Geld gekostet. Aber die Kalkulation der Werkstatt ist aus meiner Sicht absolut richtig.
Wer zahlt?
Denn wer Geld für den Kunden spart, sollte sicher sein, dass nicht die MitarbeiterInnen oder das Unternehmen, alternativ dafür bezahlen.
Wer als Kunde ein Schnäppchen machen kann, sollte hinterfragen, ob nicht jemand anderes die Rechnung trägt. Wenn man sich das bewusst macht, sei es für die eigene Kalkulation oder als Kunde, kann man schnell ins Grübeln kommen.
Faires Pricing
Aus Kundensicht sieht man oft nur die 45 min und nicht das große Ganze, dass ein Unternehmen berücksichtigen muss. Deshalb ist beim Kosten-Plus-Ansatz, den ich im letzten Beitrag beleuchtet habe, auch die Beschäftigung mit allen Kosten so wichtig.
Faires Pricing heißt nicht, dass der Kunde den niedrigsten Preis am Markt bekommen kann. Faires Pricing heißt, dass alle am Prozess Beteiligten damit leben können.
Nachhaltigkeit und Preise
Da das Thema Nachhaltigkeit gerade in aller Munde ist – auch das gehört dazu. Qualitativ minderwertige Ausgangsstoffe oder Verarbeitung kostet mehr Geld, als das Preisschild auf den ersten Blick vermuten lässt. Unverträglichkeiten, verkürzte Lebensdauer, d.h. ich habe nicht geplante Aufwendungen oder gebe das Geld mehrfach aus. Ressourcen werden verschwendet, Müll produziert.
Neben der Ressourcenverwendung ist es eine langfristige Strategie, das Durchhaltevermögen für schwierige Zeiten und die Planung für die Zukunft, was ein Unternehmen nachhaltig macht.
Spot an!
Zugegeben, diese Themen sind nicht jedem gleich viel Wert. Wichtig ist jedoch, dass man als Unternehmen, das diese Verantwortung wahrnehmen möchte, solche Merkmale herausstellt.
Auch Dinge, die einem selbstverständlich erscheinen dürfen ins Scheinwerferlicht gerückt werden. Vielleicht ist der Gedanke einem potentiellen Kunden nicht so offensichtlich und erklärt das Preis-Leistungs-Verhältnis damit letztlich überzeugend.
In diesem Sinne, genießt den Sommer, auch wenn das Eis etwas teurer ist, aber dafür selbst gemacht.